WELS. Mehr als 50 Prozent der Österreicher sind übergewichtig, sagt Heike Krennmair. Die klinische Psychologin und Psychotherapeutin aus Gunskirchen weiß, daß deshalb nicht nur über die Feiertage das "Abspecken" ein Thema ist.
“Jahrzehntelang wurde die Meinung vertreten, daß das Körpergewicht eines Menschen ausschließlich auf sein Eßverhalten zurückzuführen ist. Zahlreiche Mediziner und Psychologen vertreten aber mittlerweile die Auffassung, daß Adipositas, also Übergewicht, eine chronische Erkrankung ist, die sich nur durch langfristige therapeutische Maßnahmen behandeln läßt”, schildert Krennmair die jüngsten Erkenntnisse der Wissenschaft.
So ist es laut der Gunskirchnerin noch relativ unbekannt, daß Übergewicht nicht nur bei vielen Alltagsroutinen hinderlich ist, sondern sowohl eine große seelische als auch eine gesundheitliche Belastung darstellt. “Je übergewichtiger eine Person ist, umso geringer ist ihre Lebensqualität”, sagt Lehner und betont, daß die These “Dicke sind gemütlich und haben Spaß am Leben” längst nicht mehr gültig ist.
Krennmair: “Im Gegenteil: Übergewichtige leiden häufig an depressiven Verstimmungen und haben ein geringes Selbstwertgefühl.” Neben den psychosozialen Auswirkungen birgt Übergewicht außerdem ein gesundheitliches Risiko. “Mit dem Gewicht steigt die Gefahr, etwa an Bluthochdruck und Diabetes zu erkranken”, schildert die klinische Psychologin und Psychotherapeutin. Sie stellt weiters fest: “Ein Abnehmerfolg kann daher nicht unbedingt an den verlorenen Kilos gemessen werden. Wesentlich ist die Verbesserung der Laborwerte, die Auskunft über den Gesundheitszustand des Betroffenen geben, sowie die Steigerung der Lebensqualität. Psychologisch geht es darum, ein Gewicht zu erzielen, das das Wohlbefinden steigert und nicht permanent durch Diätmaßnahmen und eine Einschränkung des Eßverhaltens erzwungen werden muß."
| 97 von 100 Betroffenen legen nach der Gewichtsabnahme wieder zu. Heike Krennmair |
“Abgesehen von der Fettreduktion ist für die langfristige Stabilisierung einer Gewichtabnahme ein Faktor von entscheidender Bedeutung, nämlich die Bewegung”, sagt Krennmair, die sich gegen sogenannte und oft angepriesene Blitzdiäten ausspricht: “Die bringen zwar einen schnellen Gewichtsverlust, beruhen aber eher auf Wasser und Proteinverlusten. Nach der Diät schlägt der Zeiger der Waage wieder nach rechts aus.” Medikamentöse Therapien und operative Maßnahmen gegen Übergewicht bringen Teilerfolge, weiß Krennmair. “Lerneffekte beim Eßverhalten bringen diese Eingriffe aber offenbar nicht mit sich”, glaubt die Gunskirchnerin, die sich deshalb für eine psychologische Unterstützung ausspricht: "Schließlich nehmen 97 von 100 Betroffenen nach der Gewichtsabnahme wieder zu."
Entscheidet man sich für eine psychologische Unterstützung, so kann dies in Form von Einzel- als auch Gruppensitzungen erfolgen. Behandelt werden die Themen: realistisches Abspeckziel, Vermittlung von Wissen über Essen und Ernährung, Eßverhalten, körperliche Aktivität und Krisen. “Die sind im Verlauf des Abnehmens einfach zu erwarten, und hier benötigt man professionelle Unterstützung”, sagt Krennmair.
“Übergewichtige sollten beim Abnehmen psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen”, sagt Heike Krennmair