aus Leben heute: (in O.Ö. Nachrichten von Samstag, 16. Jänner 1999)
VON CLAUDIA RIEDLER
Berufstätige verbringen rund ein Drittel ihrer Zeit auf dem Arbeitsplatz. Lange genug, um sich über die Gestaltung des Büros Gedanken zumachen. Mögen Sie es lieber nüchtern oder gemütlich wie im Wohnzimmer?
"je mehr persönliche Dinge den Schreibtisch überladen, umso schlechter ist die Leistung", sagt eine Arbeitspsychologin aus Berlin. Ginge es nach ihr, müßte man den Arbeitsplatz nüchtern halten, regelmäßig aufräumen und immer darauf achten, daß genügend freie Flächen vorhanden sind. Denn: "Unnötiger Schnickschnack stört die Konzentration und lenkt von der Arbeit ab."
"Natürlich ist die Funktionalität eines Raumes sehr wichtig", sagt Norbert Krennmair, Organisationspsychologe aus Wels. Es mache einen Unterschied, ob jemand kreativ arbeiten muß oder administrativ tätig ist. Bei viel organisatorischer Arbeit sollten beispielsweise nicht persönliche Dinge den schnellen Datenzugriff beeinträchtigen.
"In einer Gesellschaft, in der Arbeit immer mehr Selbstverwirklichungscharakter erhält, muß man den Arbeitsraum auch als Lebensraum verstehen", sagt der Psychologe. Man könne nicht das restliche Leben aus dem Arbeitsbereich ausklammern.
Niemand ist in der Lage, tatsächlich acht Stunden durchzuarbeiten. Dazwischen gibt's immer wieder Pausen oder man wechselt den Arbeitsbereich. Organisationspsychologe Krennmair empfiehlt "den Raum, in dem man arbeitet, zu strukturieren". Eine Wand mit Ordnern beispielsweise macht auf die zu bearbeitenden Themen aufmerksam; in die Ecke mit Blumen oder auf das Familienbild kann man schauen, wenn man zwischendurch eine Pause braucht. "Symbole aus dem privaten Lebensraum können auch Bewußtseinskanäle öffnen, die für die Arbeit dienlich sind."
Wie man sein Büro einrichtet, sei außerdem eine Frage des Charakters, sagt Krennmair "digitale" Typen bevorzugen die serielle Arbeit. Sie nehmen einen Ordner aus dem Schrank heraus und geben ihn nach getaner Arbeit wieder hinein, abgehakt, weiter mit der nächsten Tätigkeit. Für "analoge" Menschen wäre das undenkbar. Sie müssen die verschiedenen Aufgabengebiete sehen, weil sie meist mehrere Bereiche gleichzeitig bearbeiten. Offene Schränke mit groß beschrifteten Ordnern erleichtern die Organisation.
"Wenn der Chef die Räumung der persönlichen Sachen anordnet, muß man dem Folge leisten. Und es gilt die Bildschirmarbeitsverordnung", sagt Johann Höll vom Arbeitnehmerschutzreferat der Arbeiterkammer. Darin seien Regelungen für PCs, Sessel, Tische oder die Arbeitsoberfläche enthalten. "Was das Design betrifft, gibt's lediglich Empfehlungen von Psychologen, aber keine Verpflichtungen."
"Leben heute" hat bei drei unterschiedlichen Firmen nachgefragt, wie gemütlich die Büros ihrer Mitarbeiter sind; was erlaubt und was verboten ist:
In "ersten" Betrieb des Landes, dem Land OÖ., gibt's keine Vorschriften über die Bürogestaltung. Lediglich dort, wo Parteienverkehr stattfindet, sollten persönliche Dinge im Hintergrund bleiben.
Elisabeth Obermann, Vorzimmerdame von Landesamtsdirektor Eduard Pesendorfer.
Auf ein einheitliches Erscheinungsbild bei Postämtern und Telekom-Shops legt die oberösterreichische Post und Telekom großen Wert. "Abgesehen von kleinen Maskottchen muß besonders in den neuen Postämtern ein gewisses Maß an Ordnung und Einheitlichkeit herrschen", sagt die Leiterin des Vorstandsbüros, Astrid Schuhmann. Dort wo keine Kunden "hineinsehen" können, haben aber auch persönliche Dinge Platz.
In den Kreativtempeln des Landes herrschen andere Gesetze. Das zeigt das Beispiel der Linzer Werbeagentur "Haslinger & Keck". Die Büros sind eher spartanisch eingerichtet, es gibt keine Vorhänge und die Atmosphäre wird als "cool" beschrieben. "Wir fühlen uns aber alle sehr wohl", sagt eine Mitarbeiterin. Denn das seien die idealen Voraussetzungen für Kreativarbeit.