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PRAXIS FÜR KLINISCHE PSYCHOLOGIE UND PSYCHOTHERAPIE
MAG. NORBERT KRENNMAIR & MAG. HEIKE LEHNER

Informationsbroschüre
zur
klinisch-psychologischen
Diagnostik

KLINISCHE - UND GESUNDHEITSPSYCHOLOGIE, PSYCHOLOGISCHE DIAGNOSTIK, WIRTSCHAFTS-, ARBEITS - UND
ORGANISATIONS-PSYCHOLOGIE, UMWELTPSYCHOLOGIE, PSYCHOTHERAPIE, SUPERVISION, AUTOGENES TRAINING
A-4623 GUNSKIRCHEN,  OBERSCHACHER 17
TEL.: 07246 - 8200

 

Inhalt

1 Klinisch- psychologische Diagnostik als Kassenleistung
2 Überweisungsbedingungen für Kostenersatz (Kassenleistung)

3 Durchführungsmodalitäten

4 Kosten der klinisch- psychologischen Diagnostik

5 Anregungen und praktische Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und PsychologInnen

6 Grenzen der klinisch- psychologischen Diagnostik

7 Fragestellungen zur klinisch-psychologischen Diagnostik



Klinisch- psychologische Diagnostik als Kassenleistung

Klinisch- psychologische Diagnostik ist seit 1995 eine Dienstleistung im Gesundheitsbereich, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Als klinisch-psychologische Diagnostik gilt die Unterstützung der Diagnoseerhebung bei Krankheiten durch klinische Psychologen mit wissenschaftlich anerkannten psychologischen Methoden.

Einsatzfelder:

Vertrags- und Wahlpsychologen sind klinische Psychologen, die aufgrund einer Qualifikationsprüfung von allen Krankenkassen anerkannt sind.

Bei Vertragspsychologen ist eine kostenlose klinisch-psychologische Untersuchung möglich. Bei Wahlpsychologen ergibt sich ein bestimmter Selbstbehalt (siehe Kosten der klinisch-psychologischen Diagnostik).

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Überweisungsbedingungen für Kostenersatz (Kassenleistung)

Für Vertrags- und für Wahlpsychologen gelten folgende Bedingungen des Gesamtvertrages zur klinisch-psychologischen Diagnostik:

Trägt der Patient die Kosten selbst, bestehen keine formellen Überweisungsbedingungen (hilfreich erscheint die Verdachtsdiagnose/Fragestellung des behandelnden Arztes).

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Durchführungsmodalitäten

Exploration / Anamnese

Vor jeder testpsychologischen Untersuchung erfolgt ein Explorationsgespräch mit dem Patienten. Dies dient zur Erhebung von relevanten Informationen, gleichzeitig ist dadurch eine erstes Kennenlernen und das Schaffen einer Vertrauensbasis möglich.

Vertrags- und Wahlpsychologen können für die Exploration verrechnen:

Bedingungen für die Auswahl der Testverfahren

Verrechnet werden kann nur:

Psychologischer Befund

Nach der testpsychologischen Untersuchung wird ein psychologischer Befund erstellt, in dem nicht nur die Ergebnisse der Testung dargestellt sind, sondern auch eine Empfehlung für die weitere Behandlung gegeben wird.

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Kosten der klinisch-psychologischen Diagnostik

Für jeden Test ist von der Krankenkasse eine bestimmte Testzeit festgelegt. Diese umfaßt die Anamneseerhebung (Exploration), die Instruktion, die Durchführung und Auswertung des jeweiligen Tests sowie Befunderstellung und Beratung. Die Honorarnote ergibt sich aus der Summe der Stunden mal Stundentarif.

Der Kassentarif pro Stunde beträgt derzeit ATS 633,00 netto. Klinisch-psychologische Diagnostik ist Teil der Krankenbehandlung und daher MwSt. frei.

Wahlpsychologen können den Stundensatz frei festlegen (in unserer Praxis beträgt er ATS 800,00/ Stunde). Die Krankenkasse zahlt dem Versicherten den Kassentarif minus 20% Selbstbehalt. Aus dem 200%igen Selbstbehalt (ATS 126,60/Std.) und dem Differenzbetrag zum vereinbarten Stundentarif von ATS 800,00 ergibt sich für die Testperson daher eine Eigenleistung von ATS 293,60/Std.

 

Berechnungsbeispiel:

Fragestellung: intellektuelle Leistungsfähigkeit, Depressivität?

(Einsatz folgender Verfahren: Reduzierter Wechsler- Intelligenztest, Rorschach- Test, Rock Depressions-Inventar)
Honorar: ATS 2.000,00 (im Honorar inkludiert sind Exploration, Durchführung, Befunderstellung sowie  Testbesprechung).
Rückerstattet bekommt der Versicherte in diesem Fall ATS 1.266,00 (Selbstbehalt = ATS 734,00)

 

Die Honoramote enthält eine detaillierte Darstellung aller erbrachten Leistungen.

Vor der klinisch-psychologischen Untersuchung kann das Gesamthonorar, differenziert nach Kassenleistung und Selbstbehalt, erfragt werden.

Kosten liegen im Schnitt zwischen ATS 2.000,00 und ATS 3.000,00.

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Anregungen und praktische Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und PsychologInnen

Im Bereich der Leistungsdiagnostik:

Klagt beispielsweise ein Patient über Konzentrationsmängel und Schwierigkeiten im Bereich des Merkens bzw. Erinnerns, so macht es Sinn, diese vom Patienten angegebenen Beeinträchtigungen zu objektivieren. Das bedeutet, abzuklären, ob Mängel im Bereich der Aufmerksamkeit/Konzentration und des Gedächtnisses tatsächlich (im Vergleich mit der Altersnorm) testdiagnostisch nachweisbar sind. Sollten sich aufgrund des Leistungsprofils Hinweise auf eine hirnorganische Beeinträchtigung ergeben, so könnte in weiterer Folge eine Computertomographie sinnvoll sein.

Denkbar ist jedoch auch, daß die subjektiv erlebten Leistungsbeeinträchtigungen des Patienten durch psychische Faktoren mitbedingt bzw. überlagert sind. Es könnte zum Beispiel eine depressiv oder neurotisch bedingte Leistungsstörung vorliegen, was sich auch testdiagnostisch überprüfen läßt.

Ist eine hirnorganische Beeinträchtigung klinisch bereits festgestellt worden und eine neuropsychologische Rehabilitation geplant, so erhält man mittels Testung der kognitiven Fähigkeiten vor und nach der Rehabilitationsmaßnahme Informationen über die Fortschritte des Patienten.

Ganz allgemein kann eine Leistungsdiagnostik bei Fragen der Berufsfähigkeit bzw. Krankenstandsverlängerung hilfreich sein. In diesem Fall wird man die intellektuelle Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und die Belastbarkeit des Patienten überprüfen (im Bedarfsfall auch speziell den Bereich des Gedächtnisses und der Sensomotorik). Informationen über den psychischen Status des Patienten sind eine notwendige Ergänzung.

Ebenso kann eine kognitive Überforderung in der Schule bei Kindern und Jugendlichen testdiagnostisch überprüft worden.

Auch wenn keine Verdachtsdiagnose vorliegt und keine Erkrankung vermutet wird, ermöglicht eine Leistungsdiagnostik, Personen, die über ihre Fähigkeiten und Grenzen Bescheid wissen möchten, eine realistische Einschätzung der eigenen Kompetenzen.

Oft schätzen depressive oder ängstliche Personen ihre Leistungsfähigkeit schlechter ein als sie tatsächlich ist. In diesem Fall kann die Rückmeldung über die Ergebnisse der Tests zur Selbstwertsteigerung der betroffenen Person beitragen.

Auch bei Personen, die auf Grund bestimmter Umstände und nicht auf Grund mangelnder Begabung, keine angemessene Aus­ bzw. Schulbildung absolvieren konnten, kann das Selbstvertrauen durch eine "neue", vielleicht erstmals positive Information über das vorhandene Leistungspotential gestärkt werden.

 

Im Bereich der Persönlichkeitsdiagnostik.

Klagt beispielsweise ein Patient über diffuse Befindlichkeitsstörungen, chronische Schmerzen oder Konzentrationsstörungen, ohne einen für den Mediziner ersichtlichen Grund, so ist die Abklärung eines psychischen Anteils der Beschwerden für eine weitere, erfolgreiche Behandlung sehr bedeutsam.

Der im Durchschnitt rund sieben Jahre dauernde Weg bis psychosomatische Erkrankungen erstmals zutreffend diagnostiziert und adäquat behandelt werden, kann dem Patienten durch klinisch-psychologische Diagnostik erspart werden.

Auch organische Erkrankungen sind oft psychisch mitbedingt. Die psychologische Diagnostik stellt in diesem Fall eine wichtige Grundlage für den weiteren Behandlungsweg dar (medizinisch, psychologisch oder psychotherapeutisch) .

Weiters lassen sich Fragen, die im Rahmen der Exploration nicht klar beantwortbar sind, beispielsweise weil der Verdacht besteht, daß der Patient dissimuliert (mittels projektiver Verfahren) überprüfen:

Zum Beispiel:

Bei Kindern/Jugendlichen wird es häufig sinnvoll sein abzuklären, inwieweit schulische oder familiäre Belastungsfaktoren vorliegen oder inwiefern die bereits vorhandenen Vermutungen der Eltern/ des behandelnden Arztes bezüglich der Bedingungen der Erkrankung/des Symptoms/des Problemverhaltens (des Kindes/Jugendlichen) zutreffen. Dadurch ist eine gezielte Beratung bzw. Empfehlung hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise/Behandlung möglich.

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Grenzen der klinisch- psychologischen Diagnostik

Da aufgrund der Bedingungen des Gesamtvertrages zur klinisch-psychologischen Diagnostik bei einer testpsychologischen Untersuchung nur ein Fragebogenverfahren und ein projektives Verfahren im Bereich der Persönlichkeitsdiagnostik verrechnet werden kann, ist der Einsatz von verschiedenen Testverfahren, die der Psychologe als sinnvoll erachten würde, nur beschränkt möglich. Bei einer Reihe von Fragestellungen wäre es auf jeden Fall hilfreich, mehr als einen Fragebogen oder ein projektives Verfahren einzusetzen. Dies ist allerdings im Gesamtvertrag zur klinisch-psychologischen Diagnostik nicht vorgesehen.

Erachtet der Psychologe daher den Einsatz von zwei Fragebögen oder zwei projektiven Verfahren zur Klärung der Fragestellung für notwendig, ist mit dem Patienten vorher abzuklären, ob er bereit ist, die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten zu tragen (da in diesem Fall kein Beitrag von der Kasse geleistet wird).

Bei der Betrachtung der Testergebnisse ist zu bedenken, daß diese natürlich von der Stimmung, der Tagesverfassung, bestimmten aktuellen Ereignissen usw. abhängig sind. Tests liefern keine stabilen Informationen, sie geben nur Aufschluß über die momentane Situation und die aktuellen Fähigkeiten einer Person.

Verfügt der Patient nur über ein geringes sprachliches Ausdrucksvermögen bzw. Sprachverständnis, können Fragebögen nur zum Teil eingesetzt werden.

Insbesondere bei jüngeren Kindern sind der Durchführung von Tests manchmal Grenzen gesetzt (geringes sprachliches Ausdrucksvermögen, Verweigerung des Kindes .... ). Ein Gespräch mit der Familie bzw. den Eltern kann hier Informationslücken schließen, die Hintergründe der vorliegenden Symptomatik beleuchten und die Erhebung möglicher Ursachen unterstützen.

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Beispiele für Fragen von Patientinnen, die Anlaß für eine klinisch-psychologische Diagnostik sein können:

 Entsprechende mögliche Fragestellungen des Arztes/des Psychotherapeuten:

Liegt die Leistung meines Kindes in der Norm? intellektuelle Leistungsfähigkeit?
Wieso versage ich plötzlich in der Arbeit?

 

Konzentration, Belastbarkeit, intellektuelle Leistungsfähigkeit, (eventuell den vorhandenen Verdachtsmomenten entsprechend) depressive, neurotische oder psychotische Leistungsbeeinträchtigung
Schaffe ich es in das Arbeitsleben wieder einzusteigen?  Belastbarkeit, Konzentration, Affektivität, Stimmung bzw. je nach Anlaßfall und beruflicher Aufgabe kognitive Fähigkeiten: Merkfähigkeit, Wahrnehmung
Wieso kann ich mir nichts mehr merken?  Hinweise auf Organizität, depressive, neurotische oder psychotische Leistungsstörung (je nachdem welche Verdachtsmomente die Anamnese aufwirft)
Ich hatte einen Unfall, ist es notwendig und sinnvoll eine Rehabilitationsmaßnahme in Anspruch zu nehmen? Merk- und Konzentrationsfähigkeit, psycho motorische Reaktionsgeschwindigkeit, ...?
Ich fühle mich so traurig und mutlos, was ist mit mir los? Depressive Hinweise, neurotische Mechanismen,  Persönlichkeitsprofil?
Haben meine körperlichen Beschwerden einen seelischen Hintergrund?  Psychovegetative Labilität, neurotische  Mechanismen?
Manchmal glaube ich, daß ich verrückt werde?  Psychotische Zeichen, Depressivität, Angst, Affektivität .... ?

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Fragestellungen zur klinisch- psychologischen Diagnostik

Leistungsbereich

  1. allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit
  2. intellektuelle Leistungsfähigkeit und differenzierte Darstellung von Stärken/Schwächen (Leistungsprofil)
  3. Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit
  4. Merkfähigkeit
  5. Organisches Psychosyndrom
  6. Demenz
  7. Minderbegabung (in Relevanz zur aktuellen Störung)
  8. Kognitive Überforderung als Mitursache für krankheitswertige Störung
  9. Psychogene (z.B. depressive) Überlagerung bei primär hirnorganischer Störung
  10. Depressiv bedingte Leistungsbeeinträchtigung
  11. Psychotisch bedingte Leistungsbeeinträchtigung
  12. Neurotisch bedingte Leistungsbeeinträchtigung

Persönlichkeitsbereich

  1. Persönlichkeitsprofil (allgemein)
  2. Affektivität (z.B. labil, impulsiv, gehemmt....)
  3. Stimmung (z.B. depressiv, dysphorisch, hypomanisch....)
  4. Brems- und Kontrollmechanismen
  5. soziale Kontaktfähigkeit
  6. psychische Belastbarkeit
  7. neurotische Mechanismen
  8. Realitätskontrolle
  9. Aggressionsspannung/Aggressivität
  10. Psychovegetative Labilität, psychosomatische Störbarkeit
  11. Psychogene Komponente bei körperlicher Erkrankung/Störung
  12. Psychogene Komponenten bei unklarer körperlicher Störung
  13. Nachweis psychogener Komponenten bei diagnostizierter funktioneller Störung
  14. Psychische Verarbeitung der gegebenen körperlichen Störung
  15. Psychosoziale Belastungssituation (familiär, schulisch ....) in Verbindung mit krankheitswertiger Störung

Spezielle Fragestellungen in Bezug auf den kognitiven und psychischen Bereich

  1. Ausmaß der aktuellen kognitiven und psychischen Beeinträchtigung nach Erkrankung bzw. Unfall
  2. Ausgangsdiagnostik für geplante neuropsychologische Rehabilitation (kognitiver und psychischer Status)
  3. Ausgangsdiagnostik für geplante Verlaufskontrolle bei der aktuellen Störung (kognitiver und psych. Status)
  4. Verlaufskontrolle: Veränderungen im kognitiven und psychischen Status gegenüber Vorbefund
  5. Beurteilung der schulischen Eignung/Leistungsfähigkeit in kognitiver und psychischer Hinsicht
  6. Schulischer Leistungsabfall in Verbindung mit krankheitswertiger Störung
  7. Beurteilung der beruflichen Eignung/Leistungsfähigkeit in kognitiver und psychischer Hinsicht
  8. Beruflicher Leistungsabfall in Verbindung mit krankheitswertiger Störung
  9. Beurteilung der Berufsfähigkeit in kognitiver und psychischer Hinsicht
  10. Stellungnahme zu Krankenstand/-verlängerung oder Pensionierung aus kognitiven/psychischen Gründen

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